"Wenn Sie mehr über die Fattoria La Vialla erfahren und darüber in Ihrer Zeitung berichten wollen, müssen Sie schon zu uns nach Italien kommen und sich selbst ein Bild machen" - Dieser Aufforderung sind wir nur allzu gerne gefolgt. Als langjähriger Kunde dieses in Deutschland und in italophilen Genießerkreisen bekannten und beliebten Weingutes und Olivenölproduzenten, wollten wir schon immer einmal wissen, wer hinter diesem Projekt steckt, das in der Provinz Arezzo beheimatet ist. Ein noch bis vor wenigen Jahren handgeschriebener Bestellkatalog wird jedes Jahr aufs Neue stets mit großer Spannung von vielen Liebhabern der Fattoria erwartet, denn die Produkte kann man in keinem Geschäft kaufen. Ein weiterer Aspekt, einmal hinter die Kulissen schauen zu wollen, war zu erfahren, wie es möglich ist, diese kulinarischen Produkte hoher Qualität zu erschwinglichen Preisen angebieten zu können - und das gilt nicht nur für die Lebensmittel. Was vor rund 30 Jahren als Wochenend- und Feriendomizil eines italienischen Städters für sich, seine Familie und seine Freunde begann, ist heute eine erfolgreiche Wein- und Olivenbauer-Familie mit einem Demeter-zertifizierten landwirtschaftlichen Betrieb, die mit ihren bodenständigen Produkten aus der toscanischen Region Feinschmeckerherzen höher schlagen lassen.
Text: Claudia Zywietz
Fotos: Claudia Zywietz, Armin Rohnen
Im September,
mitten in der in diesem Jahr früher begonnenen 2007er Weinlese,
haben wir vor Ort in Castiglion Fibocchi in der östlichen
Toscana erleben dürfen, mit wie viel Leidenschaft und
Professionalität das Unternehmen Fattoria La Vialla (Fattoria =
Weingut und Bauernhof; La Vialla = der Pflug) von den zahlreichen
daran Beteiligten geführt wird. Neben der hauptsächlichen
Bewirtschaftung von Weinfeldern und Olivenhainen produziert zum
Beispiel die hauseigene Bäckerei, die über eine eigene
Getreidemühle verfügt, werktäglich mehr als einhundert
Kilo Kekse und Brot. Die Öfen in der Backstube werden nur mit
Holz befeuert und rund um die Uhr auf Backtemperatur gehalten, so
dass die Cantucci, die hier nach einem rustikalen Originalrezept
sowie die Viallini, die mit Olivenöl statt Butter im Teig,
entstehen, stets gleichmäßig gebacken werden können.
Für das Brot gibt es in der Nähe ein extra Backhaus, wo
ebenfalls mit Holz auf Stein gebacken wird. Man muss nur dem
herrlichen Duft folgen und man landet automatisch in der Backstube,
wo probieren auch erlaubt ist. Gegenüber in dem Gebäude
befindet sich die Olivenölabfüllanlage - im September steht
sie natürlich noch still und wartet auf die neue Ernte, die im
November beginnt. In der angrenzenden "Großküche"
duftet es jeden Tag entweder aromatisch süß oder herzhaft.
Wird an einem Tag die Erdbeermarmelade in einem vitaminschonenden
Vakuumverfahren gekocht und abgefüllt, ist am nächsten Tag
Zeit für die Soßenherstellung, je nach Fruchtreifen in der
Jahreszeit. Beim Zuschauen bekommt man durchaus Lust, auch zuhause
einmal wieder Oma's Rezeptesammlung aus der Schublade hervor zu holen
und selbst eine Marmeladenkreation für das eigene
Frühstücksbrötchen zu kochen. Zum Glück gibt es
auch eine Vialla-eigene Rezeptesammlung, die es wert ist, näher
zu studieren. Wie vielerorts zuhause, wo heue noch gerne gekocht
wird, wird auch in der Großküche der Fattoria probiert
und studiert, um die Qualität der Produkte zu optimieren. Nicht
nur, dass Früchte, Gemüse und Kräuter
selbstverständlich so frisch wie möglich noch am Tag der
Ernte verarbeitet werden, auch die Rezepturen werden variiert, unter
anderem in Hinsicht auf die Reduktion des Zuckers in der
Erdbeermarmelade durch Beimischung anderer Früchte wie Limonen.
Uns hat diese frische Variation auf jeden Fall überzeugt.
Genauso wie die Brombeermarmelade, mit der sich ein leckerer Kuchen
zaubern lässt, der uns zum Frühstück gereicht wurde.
Oder auch die zuerst ungewöhnlich erscheinende rote
Paprikamarmelade, die ganz hervorragend auf dem Pecorino-Käse
schmeckt. Zu dieser äußerst süß-pikanten
Käsevariation wurde am Abend zum Aperitif ein Schaumwein mit
Traubenmost serviert, der herrlich erfrischend gemundet hat.
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